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Anzahl Resultate: 17
Titel: Die letzte Haltestelle
Kollation: A. d. Engl., geb., s.w. illustr., 175 S
Verlag, Jahr: cbj, 2017
ISBN: 978-3-570-17250-6
Kategorie: Belletristik
Alter: ab 10
Bewertung:
4 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 10.06.2017
Die letzte Haltestelle
1942 ist Amsterdam von den Deutschen besetzt. Die jüdische Bevölkerung wird gehetzt und in unbekannte Lager geschickt. Beatrix und ihre Mutter versuchen, mit der Strassenbahn zu einer Kontaktperson zu flüchten. Doch schon nach ein paar Haltestellen kontrollieren deutsche Soldaten die Fahrgäste und führen Beatrix' Mutter ab. Vor Schreck erstarrt bleibt die Sechsjährige den ganzen Tag in der Strassenbahn sitzen. Der Strassenbahnfahrer Hans und sein Bruder Lars, der Schaffner, haben Mitleid mit der Kleinen und nehmen sie am Abend zu sich nachhause. Doch die ledigen älteren Herren wissen nicht recht, was sie mit dem Kind anfangen sollen. Eine ältere Nachbarin hilft ihnen, Beatrix versteckt zu halten.
> Krieg und Judenverfolgung ist kein einfaches, aber wichtiges Thema für Kinder. Dieser berührende Roman ist schon für jüngere Leser und Leserinnen geeignet. Die Sprache ist einfach und ruhig und die schwarz-weissen Illustrationen passen sehr gut, ohne Angst zu machen. Rita Racheter

Titel: Hier kommt keiner durch!
Kollation: A. d. Portug., geb., farb. illustr., unpag.
Verlag, Jahr: Klett, 2016
ISBN: 978-3-95470-145-2
Kategorie: Bilderbuch
Alter: ab 7
Bewertung:
3 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 29.04.2017
Hier kommt keiner durch!
Achtung Soldat, ein Hund! Schnuppern darf er, aber nicht auf die andere Seite. Warum darf niemand auf die andere Seite? Weil der General es verboten hat. Nur er darf die rechte Seite des Buches betreten. Langsam wird es zu eng für die vielen Leute. Da passiert es! Der Ball von zwei Jungs hüpft auf die rechte Buchseite. Und jetzt?
> Auf der Titelseite prangt ein dekorierter General, hoch zu Ross, mit gebleckten Zähnen. Das spricht Klartext. Auf dem Vorsatz- und Nachsatzblatt sind alle „Mitspieler und Mitspielerinnen“ mit Namen vorgestellt. Beim Umblättern jeder weiteren Bilderbuchseite entwickelt sich das Geschehen und der Text ist auf Sprechblasen reduziert. Wie in einem Wimmelbuch gibt es viele Details zu entdecken und die Illustrationen erinnern an kindliche Filzstiftzeichnungen. Unergründlich ist die aufdringliche Darstellung der Nasen in den Gesichtern. Eine aktuelle Parabel über die einfältige Machtausübung eines Einzelnen und die Kraft von friedlichem Widerstand durch viele. Katharina Siegenthaler

Titel: Nichts ist okay!
Kollation: A. d. Engl., Broschur, 319 S.
Verlag, Jahr: dtv, 2016
ISBN: 978-3-423-65024-3
Kategorie: Belletristik
Schlagwort: Polizei, Rassismus
Alter: ab 13
Bewertung:
4 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 28.09.2016
Nichts ist okay! Zwei Seiten einer Geschichte
Zoom näher ran! Ein Junge, das Gesicht auf dem Asphalt. Ein Mann über ihm. Fäuste stürzen nieder wie Steine. Gebrüll, Blaulicht, Sirenen. Blut auf der Strasse. Der Junge bewegt sich. Dann nicht mehr. – Rashad, schwarz, wird für den Dieb einer Chipstüte gehalten. Er wird Opfer brutalster Polizeigewalt und liegt danach mit schweren Verletzungen im Krankenhaus. Quinn, weiss, Mitschüler von Rashad und guter Freund der Familie des gewalttätigen, ebenfalls weissen Polizisten, hat alles beobachtet. Er ist zutiefst schockiert, hofft aber zugleich, niemand habe ihn gesehen, da er alles möglichst schnell vergessen will. Doch er merkt bald, dass das unmöglich ist. Nachdem Spoony, Rashads älterer Bruder, eine im Internet aufgetauchte Aufzeichnung des Vorfalls der Presse zuspielt, ist binnen Stunden die Hölle los. Der aufflammende Protest spaltet das Basketballteam, die gesamte Schülerschaft, Freundeskreise und Familien, bis durch einzelne Aktionen und einen Rashad-Hashtag sich ganz Springfield im Ausnahmezustand befindet.
> Das authentisch wirkende Gemeinschaftswerk der beiden Autoren unterschiedlicher Hautfarbe ist zweifellos lobenswert. In den USA ist es ausgezeichnet worden. Durch die Protagonisten wird die Geschichte abwechslungsweise aus zwei Perspektiven erzählt. Viele weitere Aspekte sind ebenfalls gekonnt eingeflochten und machen deutlich, wie brisant und komplex die Thematik des Rassismus in Amerika immer noch ist. So z. B. die bestürzende Tatsache, dass die Vorurteile gegenüber Schwarzen dermassen in den Köpfen verankert sind, dass zum Teil selbst schwarze Polizisten verheerende voreilige Schlüsse ziehen und ungerechtfertigt gegen Menschen dunkler Hautfarbe vorgehen! Ein ebenso aufwühlender wie wachrüttelnder Roman, der unmissverständlich klarmacht, dass das Schweigen der weissen, nicht-rassistischen Bevölkerung, die nur im Stillen verurteilt, eigentlich bloss eine andere Form der Gewalt ist. Bestens dazu geeignet, ganz oder auszugsweise im Unterricht eingesetzt zu werden. Eliane Hess

Titel: Ich war Hitlerjunge Salomon
Kollation: A. d. Französ., Broschur, s.w. illustr., 255 S.
Verlag, Jahr: Heyne, 2016
ISBN: 978-3-453-53483-4
Kategorie: Sachbuch
Alter: ab 13
Bewertung:
4 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 25.09.2016
Ich war Hitlerjunge Salomon Er überlebte in der Uniform seiner Feinde – ein erschütterndes Schicksal
Der zehnjährige Perel lebte mit seinen aus Russland eingewanderten Eltern in Peine bei Braunschweig. Als 1935 die Rassengesetze gegen Nichtarier sich durchzusetzen begannen, das Geschäft der Eltern von Nazis verwüstet wurde, verlegte die nun geächtete jüdische Familie ihren Wohnsitz nach Polen. Der Junge lernte Polnisch und Russisch, was ihm bald zustattenkommen würde. Die Wehrmacht eroberte Polen, in Lodz entstand ein Ghetto. Perel konnte ihm entkommen und nach Russland fliehen, wo er als Minderjähriger in einem Waisenhaus interniert wurde. Beim Blitzangriff der Wehrmacht geriet er in Gefangenschaft, gab sich erfolgreich als Reichsdeutscher aus, mit einem von ihm spontan gewählten neuen Namen. Weil er fliessend Russisch sprach, schätzte man ihn als Dolmetscher beim Verhör gefangener feindlicher Offiziere. Ein deutscher kinderloser Truppenkommandant adoptierte ihn und sorgte dafür, dass er in eine Eliteanstalt der Hitlerjugend für Führungsnachwuchs eintreten konnte bzw. musste. Die Mitschüler bewunderten ihn wegen seiner Fronterfahrung. Mit Klugheit und List besonders beim Duschen konnte er seine jüdische Herkunft immer wieder verbergen. Mit Abscheu trug er die verhasste Uniform samt Hakenkreuz, führte den Hitlergruss aus, samt widerwillig gebrülltem "Heil Hitler", und liess nie verlauten, dass er die Niederlage der Wehrmacht in Russland mit Tausenden von Gefallenen kommen sah. Vielmehr stimmte er zum Schein in die Jubeltöne auf den nahen Endsieg ein – eine wahre Gratwanderung bis zur Auflösung des Internats durch die amerikanischen Truppen.
> Man könnte hier von einem autobiografisch-belletristischen Sachbuch reden. Ein historisches Dokument, das auf fesselnde Art die beschämenden Ereignisse der Nazizeit darlegt, aber auch, wie mit List und Klugheit politisch manipulierte Gruppen hinters Licht geführt werden können. Der betagte Autor lebt in Israel. Mit Lesungen und gut besuchten Treffen mit Jugendlichen in Deutschland versucht er, Gefahren von heute aufzuzeigen. Siegfried Hold

Titel: Der Bus von Rosa Parks
Kollation: A. d. Ital., geb., farb. illustr., unpag.
Verlag, Jahr: Jacoby & Stuart, 2011
ISBN: 978-3-941787-40-7
Kategorie: Belletristik
Schlagwort: Rassismus
Alter: ab 7
Bewertung:
4 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 21.07.2016
Der Bus von Rosa Parks
Ben besucht mit seinem Grossvater das Henry-Ford-Museum in Detroit. Er ist nicht eben begeistert, auch wenn da die Geschichte der USA zu sehen sein soll. Ein alter, klappriger Bus versetzt Grossvater in Entzücken. Beide steigen ein und nun erzählt der Alte dem Jungen, wie in Amerika die Rassendiskriminierung überwunden wurde, wie Rosa Parks sich weigerte, in eben diesem Bus einem Weissen Platz zu machen und wie die Schwarzen ein Jahr lang die städtischen Busse bestreikten. 1956 wurde die Rassentrennung in öffentlichen Verkehrsmitteln als gesetzeswidrig erklärt. Dies nicht zuletzt dank der Hilfe Dr. Martin Luther Kings.
> Mit einfachen Worten und Bildern, die an Edward Hopper erinnern, ist hier ein Stück Menschheitsgeschichte dokumentiert. Zivilcourage und Feigheit, Mut und Angst, Überzeugung und Kleinglaube stehen oft ganz nahe beieinander, wie die Menschen im Bus rund um Rosa Parks. Ein Buch, das gerade heute immer wieder erzählt werden müsste. Ulrich Zwahlen

Titel: Wir haben das KZ überlebt
Kollation: Geb., s.w. illustr., 250 S.
Verlag, Jahr: cbj, 2015
ISBN: 978-3-570-17197-4
Kategorie: Sachbuch
Alter: ab 13
Bewertung:
4 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 18.02.2016
Wir haben das KZ überlebt Zeitzeugen berichten
Dieses Kapitel dunkelster Geschichte darf nie vergessen werden, und besonders Jugendlichen muss man anschaulich vor Augen führen, wozu Menschen einer kulturell hochstehenden Nation im Banne einer rassistisch verbrecherischen Diktatur fähig sind. Nach seinem erschütternden Dokument über den Fotografen von Auschwitz konfrontiert uns der Verfasser hier mit 10 Berichten von Überlebenden diverser Arbeits- und Vernichtungslager. Diese authentischen Schilderungen führen uns das unsäglich Grauenhafte der erstrebten Endlösung der Judenfrage und des Liquidationsziels unwerten Lebens ins Bewusstsein. Erstaunlich abgeklärt, oft gar verzeihend berichten die selbstverständlich sehr Betagten über die körperlichen und seelischen Qualen ihres damaligen Daseins, dem oft durch blossen Zufall ein Ende hat bereitet werden können.
> Der Stil ist sachlich, fast nüchtern, nie reisserisch, mit kurzen Sätzen, so dass auch Kinder ergriffen werden können, vorteilhafterweise in geführtem, auch kirchlichem Unterricht. Siegfried Hold

Titel: Die Sache mit den gestohlenen Computern
Kollation: Geb., s.w. illustr., 69 S.
Verlag, Jahr: Baeschlin, 2015
ISBN: 978-3-85546-283-4
Kategorie: Belletristik
Schlagwort: Rassismus
Alter: ab 10
Bewertung:
3 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 17.01.2016
Die Sache mit den gestohlenen Computern
Hilfe! Die neuen Computer sind weg! Wer hat sie gestohlen? Zusammen mit dem fussballverrückten Lukas will die Soko Herder den Fall lösen. Doch bald verbreiten sich Gerüchte an der Schule: Hinter der Tat soll der arrogante Bosnier Tarik, der durch seine besserwisserische Art stets unangenehm auffällt, stecken. Können Mia, Eric und Lukas die Wahrheit ans Licht bringen?
> Das Schweizer Team, bestehend aus Autorin und Grafikerin, entwirft hier ein intelligentes Storyboard, welches sich kind- und jugendgerecht mit den Themen Vorurteil und Rassismus auseinandersetzt. Auch der dritte Band der Baeschlin-Kinderbuchreihe überzeugt mit einer guten Aufbereitung des schwierigen Themas und einer klaren Sprache. Dank der geschlechterübergreifenden Zusammensetzung der Soko fühlen sich Jungen und Mädchen von der Geschichte angesprochen. Im Anhang befinden sich Adressen und Anlaufstellen zum heiklen Thema. Das Buch eignet sich als Schullektüre; allerdings ist der Neupreis für knapp 70 Seiten recht hoch. Christina Weirich

Titel: F.E.A.R.
Kollation: Geb., 202 S.
Verlag, Jahr: Hanser, 2015
ISBN: 978-3-446-24937-0
Kategorie: Belletristik
Schlagwort: Rassismus
Alter: junge Erwachsene
Bewertung:
3 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 16.11.2015
F.E.A.R.
Claras Weltbild gerät ins Wanken, als ihre Eltern sich trennen. Da begegnet sie dem ehrgeizigen, coolen Joonas. Dieser Student ist zum richtigen Zeitpunkt für sie da. Sie verliebt sich in ihn, obwohl seine Ideen über Rassenreinheit und Überfremdung irritierend sind. Sie reist mit ihm nach Finnland und beobachtet, wie er mit Gleichgesinnten einen Brandanschlag verübt. Von der Polizei wird sie geschnappt, nicht die Täter. Nun soll sie aussagen. Dazu ist sie nicht bereit. Sie verfasst jedoch einen Bericht, der die Polizei zu einer Gruppe von Neonazis führt.
> Wie gut organisiert und raffiniert die rechtsextreme Gruppe agiert, ist in den Berichten der jungen Frau zu lesen. Die kurzen, genauen Schilderungen beziehen die Lesenden ins Geschehen mit ein und zeigen auf, wie verstrickt vieles miteinander ist. Die Lektüre eignet sich für Diskussionen mit Heranwachsenden. Monika Aeschlimann

Titel: Der Sandengel
Kollation: Geb., 140 S.
Verlag, Jahr: Jungbrunnen, 2014
ISBN: 978-3-7026-5860-1
Kategorie: Belletristik
Schlagwort: Rassismus, Alltag
Alter: ab 10
Bewertung:
3 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 10.03.2015
Der Sandengel
Südafrika, Anfang der 1980er-Jahre: Die Welt ist in Schwarz und Weiss aufgeteilt. Rut und ihre drei Schwestern leben zusammen mit der Mutter in der Bloekomstrasse am Rand einer grossen Stadt. Die Mutter, ursprünglich eine Österreicherin, ist Malerin und versucht mit dem Verkauf ihrer Bilder die Familie über Wasser zu halten. Da die Familie weiss ist, steht sie gesellschaftlich gesehen über den Schwarzen. Doch dieses Menschenbild will die Mutter ihren Töchtern nicht vermitteln. Warum sollten Parkbänke oder der Strand nur für Weisse sein?
> Lizzy Hollatko ist in Südafrika geboren und aufgewachsen, daher vermag sie so authentisch aus dem Leben in der Apartheid-Ära zu erzählen. Viele südafrikanische Begriffe werden in Fussnoten erklärt, Reime und Lieder in Originalsprache wiedergegeben. Ein poetischer Kinderroman über die Liebe zwischen Geschwistern, über fantasievolles Spielen und Solidarität. Maria Veraguth

Titel: Im Tal der roten Orchidee
Kollation: Geb., 467 S.
Verlag, Jahr: Planet Girl, 2014
ISBN: 978-3-522-50402-7
Kategorie: Belletristik
Alter: ab 13
Bewertung:
3 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 02.03.2015
Im Tal der roten Orchidee
Die entwurzelte 18-jährige Isa will in Kapstadt schwarzen Mädchen aus dem Township das Rudern beibringen. Im Club trifft sie auf den weissen Südafrikaner Greg, dessen Familie von Schwarzen umgebracht wurde. Und Greg erkennt im Chauffeur von Isas Familie den Mörder seiner Familie wieder. Greg muss sich seiner Vergangenheit zu Zeiten der Apartheid stellen, Isa erkennt schmerzhaft, dass Afrikas Gesetze einer eigenen Logik folgen. Kann ihre zarte Liebe die Vorurteile und Gegensätze überwinden?
> Vor Südafrikas Naturkulisse spannt die Autorin einen Bogen von der Apartheid zur Regenbogennation. Geschickt fügt sie in Nebensätzen Interessantes aus Sprache und Kultur ein. Allerdings verstrickt Isa sich oft in Widersprüche, was sie naiv und wenig authentisch wirken lässt. Die Tiefe der Handlung leidet unter zu vielen Rahmenhandlungen. Dennoch ein gutes Jugendbuch, welches mit der Story um Verrat und Versöhnung auch die zerrissene Geschichte Südafrikas reflektiert. Christina Weirich

Titel: Das versteckte Kind
Kollation: Geb., farb. illustr., unpag.
Verlag, Jahr: Panini, 2014
ISBN: 978-3-86201-774-4
Kategorie: Comic
Alter: mehrere Stufen
Bewertung:
4 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 27.01.2015
Das versteckte Kind
Elsa kann nicht schlafen. Sie steht auf und findet ihre Grossmutter Dounia traurig auf dem Sofa. Da beginnt die Grossmutter aus ihrer Kindheit im besetzten Frankreich zu erzählen. Wie sie plötzlich einen gelben Stern an ihrem Mantel tragen musste, ohne zu wissen warum. Und wie sie deswegen in der Schule gemieden und schlecht behandelt wurde. Als eines Tages ihre Eltern abgeholt wurden, konnten sie Dounia vorher noch verstecken. Nachbarn fanden das verängstigte Mädchen, kümmerten sich um es und flohen mit ihm. Dies war das Ende einer unbeschwerten Kindheit.
> Diese Graphic Novel erzählt ein schwieriges Kapitel der Geschichte aus Kindersicht, verstärkt durch die Figuren mit überproportionalen Köpfen und winzigen Knopfaugen. Mit einfachen Bildern und klarer Erzählweise vermag das Buch zu berühren, ohne Gräueltaten aufzeigen zu müssen. Für junge Leserinnen und Leser eignet es sich sehr gut als Einstieg in die Thematik des Holocaust, doch auch für Erwachsene ist es eine bewegende Lektüre. Karin Böjte

Titel: Der rechte Weg
Kollation: Geb., 293 S.
Verlag, Jahr: cbj, 2014
ISBN: 978-3-570-15551-6
Kategorie: Belletristik
Schlagwort: Rassismus, Sekten
Alter: ab 13
Bewertung:
2 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 07.11.2014
Der rechte Weg
Ist der "rechte" Weg der richtige? Fast zu spät fragt Linda – oder Gerlinde, wie sie in der "Kameradschaft" heisst – sich das. Aus lauter Eifersucht auf eine türkische Mitschülerin, die ihr den Freund ausgespannt hat, lässt sie sich von einem Jungen an die Treffen einer rechtsradikalen Gruppe mitnehmen. Als sie zu einer Demo mitgeht, wird sie Zeugin eines brutalen Überfalls auf einen schwarzen Ausländer. Gleichzeitig bedroht die "Kameradschaft" eine syrische Flüchtlingsfamilie, die in der Stadt einquartiert wird. Wie kann sich Linda aus den Fängen der Rechtsradikalen befreien?
> Der Autorin gelingt es, die allmähliche Vereinnahmung von Linda durch die rassistische Gruppe zu zeigen. Dank der Hilfe von verständigen Erwachsenen gelingt dem Mädchen der Ausstieg. Für die Lesenden liegt hier ein belehrender Text vor, der viele Aspekte des Problems beleuchtet und Lösungen aufzeigt. Das ist sehr wertvoll. Die Geschichte ist aber zu konstruiert, als dass sie einen so richtig packen würde. Monika Fuhrer

Titel: Njunjul
Kollation: A. d. Engl., Broschur, 141 S.
Verlag, Jahr: Baobab, 2014
ISBN: 978-3-905804-60-7
Kategorie: Belletristik
Alter: ab 13
Bewertung:
3 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 06.10.2014
Njunjul Ein Roman aus Australien
Happy Valley heisst das Reservat, in welches die ortsansässigen Aborigines umgesiedelt wurden. Doch glücklich ist Njunjul mit seiner Familie nicht wirklich. Denn auch hier bekommt er tagtäglich zu spüren, dass ein Ureinwohner minderwertig ist. Mit dem gesparten Geld seiner Familie erhält Njunjul die Chance, per Bus nach Sydney zu fahren, um es dort wie sein Onkel Garth zu etwas zu bringen. Doch auch in der Grossstadt fühlt sich der 16-jährige vorerst nicht wohl in seiner Haut. Er muss zuerst lernen, an sich und seine Kultur zu glauben, bevor er sich beweisen kann.
> Die Ureinwohner Australiens wurden im 18. Jahrhundert von den Kolonialisten enteignet und vertrieben. Bis heute müssen sie gegen Rassismus kämpfen und haben kaum Perspektiven. Die eindrucksvolle Geschichte von Njunjul ist aus der Sicht des Heranwachsenden in lockerem Ton geschrieben. Viele Ausdrücke der indigenen Sprache ergänzen den Text. Sie werden in einem hilfreichen Glossar am Ende des Buches aufgeführt. Rita Racheter

Titel: Lauf, Junge, lauf
Autor: Orlev, Uri
Kollation: A. d. Hebrä., geb., illustr., 226 S., 11. Aufl.
Verlag, Jahr: Beltz & Gelberg, 2014
ISBN: 978-3-407-74107-3
Kategorie: Belletristik
Alter: ab 13
Bewertung:
4 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 07.07.2014
Lauf, Junge, lauf
Mit seiner Familie gelingt dem neunjährigen Jurek die Flucht aus dem Warschauer Ghetto. Doch ein deutscher Fliegerangriff auf die Flüchtlingskolonne löscht fast alle Hoffnungen aus. Nur Jurek überlebt. Allein schlägt er sich durch Wälder, immer auf der Suche nach Unterschlupf und Arbeit. Er findet Menschen, die ihm weiterhelfen, aber auch solche mit Lust auf die Judenfangprämien der Gestapo. Jurek erleidet eine schwere Handverletzung, doch weil der Arzt keinem Juden Hilfe gewähren will, muss der Arm amputiert werden. In einer Abteilung russischer Soldaten erlebt der Junge das Kriegsende.
> Sofort erinnert man sich an Simplizissimus, bloss geht es hier um Leben oder Tod. Ohne jegliche Datumsangaben lässt sich das Geschehen genau eruieren, und man erlebt eine Abfolge von Abenteuern. Die Sprache ist nüchtern und knapp, wie die schnellen Entscheidungen des Jungen. Jedes der 18 Kapitel stellt eine Einheit dar, so dass sich die Lektüre sehr gut für die Klassenarbeit eignet. Siegfried Hold

Titel: Blutsbrüder
Kollation: Broschur, 252 S.
Verlag, Jahr: Ravensburger, 2011
ISBN: 978-3-473-58440-6
Kategorie: Belletristik
Schlagwort: Rassismus, Minderheiten
Alter: junge Erwachsene
Bewertung:
3 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 23.09.2013
Blutsbrüder
"Nazis sind braun - Scheisse auch", steht auf den Plakaten, welche die beiden engen Freunde Darius und Hakan bei Nacht und Nebel an Wände kleben. Dabei werden sie von Skinheads überrascht und können sich nur mit knapper Not in Sicherheit bringen. Immer wieder gibt es Schlägereien, brutal und blutig zwischen den ethnisch verschiedenen Jugendgruppen: Deutsche gegen Türken, Polen gegern Araber. Berlin Kreuzberg ist ein Schmelztiegel, der oft zum Schlachtfeld wird. Dass Hakan einen türkischen Vater hat, Darius einen arbeitslosen Alkoholiker, birgt von vornherein ungutes Potenzial. Und wenn dann noch ein Mädchen ins Spiel kommt, wird die in guter Zeit vollzogene Blutsbrüderschaft auf die Probe stellt.
> Der Autor lebt selber am Schauplatz des Romans, seine Schilderungen dürften daher authentisch sein, namentlich die für Schweizer Ohren fremdartigen Redensarten. Der Einblick in eine Stadt mit überwiegendem Anteil an Migranten kann erschrecken. Siegfried Hold

Titel: Nelson Mandela und die Kraft der Menschlichkeit
Reihe: Arena Bibliothek des Wissens
Kollation: Broschur, s.w. illustr., 111 S.
Verlag, Jahr: Arena, 2012
ISBN: 978-3-401-06664-6
Kategorie: Sachbuch
Alter: ab 13
Bewertung:
2 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 20.02.2013
Nelson Mandela und die Kraft der Menschlichkeit
Ob Mandelas Vater eine Vorahnung hatte, als er dem Sohn den Namen Rolihlahla gab? Wörtlich bedeutet dies „der, der den Ast des Baumes schüttelt“, frei übersetzt „der, der Ärger macht“. Erst in der Schule wurde Mandela nach dem britischen Seefahrer Nelson benannt. Als junger Anwalt kämpfte er unnachgiebig gegen die Unterdrückung der Schwarzen und wurde für das südafrikanische Apartheidsregime tatsächlich zur Plage. Nach 27 Jahren Gefängnis, die ihn keineswegs zu bremsen vermochten, wurde Mandela schliesslich erster demokratisch gewählter Präsident Südafrikas.
> Erzählende Teile wechseln sich mit Sachkapiteln ab, eine Zeitleiste sorgt zum Glück für Überblick, und im Glossar werden schwierige Begriffe erläutert. Dennoch ist die Altersangabe des Verlags - ab 11 Jahren – eine Fehleinschätzung. Das für Jugendliche ohnehin nicht einfache Thema wird durch viele Zeitsprünge innerhalb der Kapitel noch komplizierter. Zu empfehlen ab der Oberstufe, am besten mit begleitender Besprechung im Unterricht. Eliane Hess

Titel: Die Farben der Freundschaft
Kollation: A. d. Engl., Broschur, 220 S.
Verlag, Jahr: Hanser, 2012
ISBN: 978-3-446-23891-6
Kategorie: Belletristik
Alter: ab 13
Bewertung:
3 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 13.02.2013
Die Farben der Freundschaft
Soweto, 1976. In dem von Schwarzen bewohnten Stadtteil in der Nähe von Johannisburg brechen Studentenunruhen aus. Sie richten sich gegen Gesetze der Rassentrennung, die zur Zeit der Apartheid im südlichen Afrika herrschten. Mitten in diesen Unruhen lebt die siebzehnjährige Ruby, die sich zusammen mit ihren Eltern für die Rechte der schwarzen Bevölkerung einsetzt. Dabei wird sie von ihren weissen Mitschülern immer mehr ins Abseits gedrängt und steht schliesslich vor einer schwierigen Entscheidung.
> In aller Deutlichkeit schildert die Autorin die zeitgeschichtliche Situation während der Aufstände in Soweto und scheut sich nicht, auch die Gewalt der Konflikte aufzuzeigen. Die Protagonisten sind sympathisch gezeichnet und bilden durch ihre gelebte Menschlichkeit einen Gegenpol zur Brutalität der Unruhen. Das Buch erreicht nicht ganz die Magie des Erstlingswerkes der Autorin ("Im Jahr des Honigkuckucks"), besticht aber dennoch durch einen spannenden Aufbau und die gelungene Sprachwahl. Béatrice Wälti